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Wer war Hermann Heller?

von J. M.

Wer einen politikwissenschaftlichen Studiengang belegt (hat), dem wird wahrscheinlich auch heute noch der Name Hermann Heller (1891–1933) begegnen. Denn als Staatstheoretiker, dessen gesamtes Wirken in die Zeit der Weimarer Republik fällt, wird er in der Bundesrepublik, die an diese demokratische Tradition anknüpfen will, als Vater der modernen Politikwissenschaft in Deutschland betrachtet. Dazu passend wird er heute, wohl aufgrund seiner SPD-Mitgliedschaft, als Linker eingeordnet. Heller selbst jedoch kritisierte beide Pole des politischen Spektrums zu Genüge und setzte sein Konzept eines Realismus dagegen, der beide integriert.


Der habilitierte Heller-Experte Dr. Michael Henkel gibt im Wintersemester 2022/23 an der GegenUni einen Lektürekurs zu Hellers Werk „Sozialismus und Nation“. In der ersten seiner sechs Einheiten steigt er noch nicht in das Buch ein, sondern beschreibt ausführlich das Leben und Denken des gebürtigen Österreichers. Dazu bezieht er sich auf die jüngste der drei Ausgaben der Schrift, die derjenigen von 1931 entspricht und so um Bezüge zur damals aufstrebenden NSDAP erweitert ist. Dem Sozialdemokraten kann man eine „geistige Mittäterschaft“ wohl kaum attestieren, jedoch kam ein Buch mit „Nation“ und „Sozialismus“ im Titel nicht um das Phänomen des Nationalsozialismus herum.


Bevor Henkel in die Biographie des Juristen einsteigt, weist er kurz auf die Problematik hin, Heller weltanschaulich einzuordnen. Er zieht Unterscheidungskriterien wie das „Lustprinzip“ oder die „Libido“ für die linke Seite und das „Realitätsprinzip“ und die „Selbsterhaltung“ (Spaemann/Freud) für die rechte heran, um den Etatisten folglich im politischen Realismus statt Utopismus zu verordnen. Hellers Sozialismus sieht er als „Konzept einer realistischen Politik, die von den Gegebenheiten auszugehen habe, und Tendenzen der Wirklichkeit fortzuentwickeln habe.“ Was für ihn Sozialismus bedeutet, in welchem Zusammenhang für ihn dieser mit Begriffen wie Staat, Gesellschaft, Kultur oder Politik steht, das ist das Thema der hier behandelten Schrift.


1891 geboren, musste Heller sein Jurastudium im Ersten Weltkrieg unterbrechen. Durch eine schwere Erkrankung, die ihn sein Leben begleiten und es früh beenden würde, war er bereits im ersten Kriegsjahr nicht mehr einsatzfähig und wurde fortan in der österreichischen Militärjustiz verwendet. Dort konnte er 1915 promovieren. Nach dem Krieg kam er erstmals nach Leipzig zum Reclam-Verlag, wo er Schriften von Lassalle und Hegel editierte, insbesondere aber an seiner Habilitationsschrift „Hegel und der nationale Machtstaatsgedanke in Deutschland“ arbeitete. 1920 zog er nach Kiel, lernte dort Gustav Radbruch kennen und habilitierte sich dort am 09. März. Einen Tag vorher trat er der SPD bei. Henkel interpretiert diesen Akt Hellers als ostentativ: Er habe als Sozialdemokrat und Jude ein Zeichen in der damals konservativen Politikwissenschaft setzen wollen. Als er und Radbruch im Kapp-Putsch zwischen den beiden Parteien vermitteln wollte, entkam er nur knapp der Liquidation.


1922 erneut in Leipzig übernahm er die Leitung des Volksbildungsamtes. Mit seinen Beiträgen zur Arbeiter- und Erwachsenenbildung erlangte Heller reichsweite Bedeutung und konnte zudem erste praktische politische Erfahrungen sammeln. In dieser Zeit knüpfte er auch Kontakte zu Hans Freyer und Theodor Litt.


Nachdem er 1926 nach Berlin wechselte, wurde er nach zwei Jahren am Kaiser-Wilhelm Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht 1928 zum außerordentlichen Professor ernannt. Genau wie 1932, als er in Frankfurt am Main ordentlicher Professor wurde, wehrten sich die Institutionen zunächst gegen die Ernennung des jüdischen Sozialisten. Im Herbst des gleichen Jahres trat er im Preußenschlag-Prozess als Vertreter der SPD-Fraktion im preußischen Landtag im Preußenschlag-Prozess auf (mit dem „Preußenschlag“ vom 20. Juli 1932 gingen die Regierungsbefugnisse des SPD-geführten Freistaats Preußen an die Reichsregierung über).


Von einer Vortragsreise 1933 nach England kehrte er nicht mehr nach Deutschland zurück. Aus Angst vor Verfolgung durch den nationalsozialistischen Staat wich er nach Spanien, wo er in Madrid eine Lehrstelle erhielt. Dort starb er noch im selben Jahr mit 42 Jahren an den Spätfolgen seines Rheumas und einer Herzmuskelentzündung, die er sich 19 Jahre zuvor als Soldat in Galizien zugezogen hatte.


Außer seinen Schriften, besonders Monografien zur Staatslehre, blieb kein Nachlass. Wegen der vielen Wohnortwechsel und dem frühen Tod im später vom Bürgerkrieg heimgesuchten Spanien ist über Privates kaum etwas bekannt. Der Zeitraum seines Wirkens fällt genau in die Zeit der Weimarer Republik, auf deren Verteidigung gegen ihre vielen Feinde er stets bedacht war. Sie im Sinne seiner Vorstellungen vom Sozialismus zu gestalten war das Ziel seines Buches „Sozialismus und Nation“, dass in den nächsten fünf Einheiten bearbeitet wird. Dabei wird sich an dessen Gliederung in die drei Hauptkapitel Vom Wesen des SozialismusWerden und Wesen des nationalen Gedankens und Die Bedeutung des nationalen Gedankens für den Sozialismus orientiert.

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