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Geographie ist Schicksal

von J. M.

Gesprengte Pipelines, Krieg in der Ukraine und unübersehbare wirtschaftliche Verwerfungen in Europa: intuitiv hängt all das zusammen. Das Spielfeld, auf dem diese Ereignisse zusammenfinden, wird von einer Disziplin beschrieben, die in den Naturwissenschaften ebenso beheimatet ist wie in den Sozialwissenschaften. An deutschen Hochschulen in Verruf geraten stellt Geopolitik die Spielregeln auf, nach denen die großen Akteure der Weltpolitik ihre Figuren bewegen.


Am 07. Oktober 2022 startete mit „Geopolitik – Koordinaten der Weltpolitik“ ein zentraler Kurs der GegenUni. Professor Felix Dirsch führte in seiner eine gute Stunde währenden Auftaktveranstaltung umfassend in das Thema ein. Im deutschsprachigen Video-Raum erstmalig wird dabei grundsätzlich und ausführlich an Herkunft und Bedeutung des Begriffes „Geopolitik“ herangegangen, statt ihn als unscharfes Schlagwort aufzublähen.


Bei der Begriffsannäherung spannt Dirsch einen weiten Bogen bis zur Phylogenese des Menschen. Die geologische Entstehung der heutigen Landmassen und ihre Topographie führten zu einer „Unterschiedlichkeit bezüglich der natürlichen Ausstattung der Welt“: Es gibt Gebirge und Ebenen, Steppen und Sümpfe, extreme und gemäßigte Klimazonen, die auf ihre je eigene Art den Menschen prägen und gleichzeitig Erfordernisse an die Politik stellen. Dieser theoretische Zugang ist als politische Geographie von der Geopolitik zu unterscheiden, denn „Geopolitik ist die Lehre von der Erdgebundenheit politischer Vorgänge“ (Haushofer). Damit ist sie praxisorientiert und zeigt Notwendigkeiten und Handlungsanleitungen für politische Akteure auf. Staaten, die weiterhin unbefangen mit Machtstrategien umgehen, nutzen die aus ihr stammenden Erkenntnisse, um ihre außenpolitischen Ambitionen durchzusetzen.


Deutschland dagegen führt eine wertebasierte oder gar „feministische“ Außenpolitik. Das zeugt von dem nachhaltigen Schaden, den die Tabuisierung dieser für selbstbewusste Staaten notwendigen Disziplin nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa anrichtete. Geopolitik wurde zur Legitimationswissenschaft des Nationalsozialismus stilisiert, „Volk ohne Raum“ (Hans Grimm) oder „Lebensraum“ seien der Schlagworte genug. Jedoch greift ein daher rührendes generelles Verwerfen von Geopolitik zu kurz, der Missbrauch hebt den Gebrauch nicht auf. Die politische Umsetzung von Erfordernissen, die die Geographie stellt, ist keine Ideologie, sondern Konsequenz realpolitischer Überlegungen. Alexander von Humboldt, Carl Ritter, Fredrich Ratzel oder Walter Benjamin wichen zudem von der im Nachhinein verdammten Generallinie deutscher Geopolitik ab.


Der Versuch einer „kritischen Geopolitik“ in den 1960er und 70er Jahren kann als die Bemühung innerhalb der Bundesrepublik verstanden werden, dieses „verseuchte“ Feld neu zu bestellen. Durch ihren dekonstruktivistischen Charakter blieb jedoch keine verwendbare geopolitische Lehre übrig. Im europäischen Ausland wird Geopolitik häufig auf ihre wirtschaftliche Komponente, die Geoökonomie, reduziert.


Im angelsächsischen Raum steht Geopolitik nicht im Verdacht, Chiffre für nationalsozialistische Großmachtpläne zu sein. Vielmehr wird Geopolitik betrieben und diskutiert, baut dabei auf einer eigenen Traditionslinie auf: Alfred T. Mahan (The Influence of Sea Power upon History) und Halford J. Mackinder (The geographical Pivot of History, Democratic Ideals and Reality). Aus neuerer Zeit sind wohl zu nennen Zbigniew Brzeziński (†), John Mearsheimer, George Friedman und Peter Zeihan, die auch öffentlich (z. B. auf YouTube) auftreten.


Nicht nur in der „einzigen Weltmacht“ (Brzeziński) USA wird über Geopolitik nachgedacht, auch die aufstrebenden Mächte China und Russland sehen ihre Notwendigkeit. Aus Russland ist wohl Alexander Dugin am bekanntesten. Interessant, dass Dugin und Brzeziński einander bekannt waren und sich schätzten, obwohl sie sich weltanschaulich diametral entgegenstehen. Brzeziński vertrat als Neocon einen amerikanischen Interventionismus zur Errichtung einer unipolaren Weltordnung, während Dugin Eurasien als Gegengewicht in einer multipolaren Weltordnung betont. Relevant ist außerdem die prognostische Fähigkeit oder Wirkmächtigkeit beider betreffs des Ukrainekriegs. Dirsch schätzt die Unipolarität als langfristig illusorisch, eine multipolare Raumordnung hingegen als realistisch ein.


Ihn fasziniert das Spannungsverhältnis von variabler politischer Ordnung und (relativ – in Menschenaltern) konstanten natürlichen Gegebenheiten, Ortung. Dennoch geht er auch auf die moderne Kritik an der Geopolitik ein. Sie sei nicht nur kontaminiert, sondern auch überholt. Das „Verschwinden des Raumes“ durch Informationstechnik oder Marschflugkörper mache die Kontrolle des Bodens taktisch irrelevant. Carl Schmitt hätte das wohl eine „Raumrevolution“ genannt. Dirsch sieht sehr wohl, dass der virtuelle Raum vom geographischen  zu unterscheiden ist, für ihn bleibt der Mensch jedoch ein „Landtreter“ (Schmitt), und existenziell an den Raum gebunden. Für die Relevanz des Themas Geopolitik spricht für Drisch weiterhin der große Erfolg betreffender Publikationen und das dem zugrunde liegende öffentliche Interesse, jüngst etwa „Die Macht der Geographie“ (Tim Marshall) oder „Geographie ist Schicksal“ (Ian Morris) – darauf wird in kommenden Einheiten noch eingegangen.


Im Wintersemester der GegenUni werden 10 Einheiten zum Thema veröffentlicht. Auf die Untersuchungsaspekte der Raumlehre folgt die Politische Geographie, Einheiten zur deutschen und europäischen Geopolitik sowie zur angloamerikanischen Überlieferung. Den Abschluss bilden die deutsche und internationale Geopolitik nach 1945 und die aktuellen Entwicklungen.

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